Bewegung

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Warum ist Bewegung wichtig?Welchen Einfluss hat Bewegung auf unseren Körper?Wie viel Sport muss man machen?Wie sollte ich Sport machen?Base · I · Kernbereiche · Bewegung
„Könnte man Bewegung in eine Pille packen, wäre sie das meistverschriebene und nützlichste Medikament des Landes.“Robert N. Butler · Gründungsdirektor des US-National Institute on Aging · zugeschrieben

1.1 · WARUM BEWEGUNG ZÄHLT

Warum Bewegung zählt

Bewegung ist einer der wichtigsten Faktoren für ein langes, gesundes Leben, die du selbst beeinflussen kannst [1, 2]. Sie wirkt auf viele Körperfunktionen zugleich, darunter Herz und Kreislauf, Stoffwechsel und Muskeln, und senkt so das Risiko für viele Krankheiten, die im Alter auftreten [1, 3]. Das Beste daran: Den größten Effekt hat der erste Schritt aus der Inaktivität [2, 4]. Und erste Fortschritte spürst du schnell, das motiviert. Doch lass uns zuerst verstehen, was Bewegung wirklich mit dir macht.

Mehr Bewegung, mehr Wirkung
BEWEGUNGEFFEKT AUF DIE GESUNDHEITder erste Schritt bringt am meistendanach flacht es ab
Beispielhafte Grafik ohne genaue Werte. Sie veranschaulicht, wie Bewegung auf den Körper wirkt: Der Effekt steigt am Anfang steil und flacht dann ab.Quelle: [4] Arem et al. 2015, siehe Quellenverzeichnis

1.2 · WAS IM KÖRPER PASSIERT

Was im Körper passiert

Um zu verstehen, was in deinem Körper geschieht, nehmen wir an: Du hast diesen Artikel gelesen und beschlossen, dich mehr zu bewegen. Du startest entspannt und drehst eine Runde um den See. Schon auf den ersten Metern passiert eine Menge.

Herz und Kreislauf

Deine Beinmuskeln arbeiten und brauchen mehr Sauerstoff. Dein Herz schlägt schneller und pumpt mit jedem Schlag mehr Blut, damit der Sauerstoff dort ankommt, wo er gebraucht wird [5].

Deine Blutgefäße

Das schneller fließende Blut reibt an den Gefäßwänden. Die innere Schicht der Gefäße reagiert darauf, indem sie Botenstoffe wie Stickstoffmonoxid freisetzt, und die Gefäße weiten sich. Wer das regelmäßig wiederholt, hält seine Gefäße elastisch [6].

Deine Kraftwerke

Dein Körper braucht jetzt mehr Energie. In den Muskelzellen wandeln die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zelle, Nährstoffe in nutzbare Energie um. Der erhöhte Bedarf setzt eine Signalkette in Gang, die den Bau neuer Mitochondrien anregt. Mit jeder weiteren Runde wächst so dein Kraftwerkspark [7].

Dein Treibstoff

Für diese Energie zieht der arbeitende Muskel Zucker aus dem Blut, und zwar auch ohne Insulin. Gleichzeitig holt dein Körper Fett aus seinen Speichern und verbrennt es, bei gemächlichem Tempo sogar zum größeren Teil [8, 9].

Eine Runde um den See
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Das Herz pumpt mehrPuls und Schlagkraft steigen, mehr Sauerstoff erreicht die Beine. [5]
  1. Das Herz pumpt mehr: Puls und Schlagkraft steigen, mehr Sauerstoff erreicht die Beine. [5]
  2. Die Gefäße weiten sich: Das fließende Blut löst Stickstoffmonoxid aus, die Gefäße werden weiter. [6]
  3. Die Kraftwerke legen los: Mitochondrien machen aus Nährstoffen Energie und geben das Signal für neue Kraftwerke. [7]
  4. Zucker und Fett als Treibstoff: Der Muskel nimmt Zucker auf, auch ohne Insulin, und verbrennt Fett. [8, 9]
Schematische Darstellung. Die Nummern in Klammern verweisen auf das Quellenverzeichnis.

Dein Muskel sendet Botschaften

Während du läufst, arbeitet dein Muskel nicht nur, er sendet auch. Er schüttet Botenstoffe aus, sogenannte Myokine, die über das Blut zu anderen Organen gelangen, etwa zu Leber, Fettgewebe und Gehirn. Dein Muskel wirkt damit wie ein Organ, das mit dem übrigen Körper spricht [10]. Einige dieser Signale stoßen eine Gegenbewegung an: Der Körper bildet entzündungshemmende Stoffe. Wer sich regelmäßig bewegt, dämpft so auf Dauer die stille, chronische Entzündung, die viele Alterskrankheiten begleitet [11].

Dein Gehirn

Auch dein Kopf läuft mit. Bewegung steigert die Durchblutung des Gehirns und regt die Bildung des Wachstumsfaktors BDNF an, der Nervenzellen beim Wachsen und Vernetzen hilft. In einer Studie mit älteren Erwachsenen wuchs nach einem Jahr Ausdauertraining der Hippocampus, eine für das Gedächtnis wichtige Hirnregion, um rund 2 Prozent, während er in der Vergleichsgruppe mit Dehnübungen schrumpfte [12]. Ob sich dadurch auch das Gedächtnis verbessert, ist noch nicht eindeutig geklärt. Gut belegt ist dagegen: Bewegung lindert Symptome von Depression und Angst [13].

Deine Knochen

Für deine Knochen ist die gemütliche Runde um den See dagegen nur ein schwacher Reiz. Knochen reagieren vor allem auf Stöße und Last, etwa beim Springen oder beim Krafttraining [14]. Deshalb gehört Kraft zu den drei Säulen, um die es im nächsten Abschnitt geht.

Nach der Runde

Das Entscheidende passiert, wenn du wieder zu Hause bist. Jede Runde ist ein Reiz, der deinen Körper kurz aus dem Gleichgewicht bringt. In der Erholung danach repariert und verstärkt er sich, um beim nächsten Mal besser vorbereitet zu sein. Wiederholst du diesen Kreislauf aus Reiz, Erholung und Anpassung, wirst du Schritt für Schritt fitter [15]. Schlaf und Ruhetage sind deshalb keine verlorene Zeit, sondern Teil des Trainings.

1.3 · DIE DREI SÄULEN: AUSDAUER, KRAFT, GLEICHGEWICHT

Die drei Säulen: Ausdauer, Kraft, Gleichgewicht

Die drei Säulen
GESUND ÄLTER WERDEN
GleichgewichtSicherer Stand, bewegliche Gelenke. Gezieltes Training senkt Stürze um rund ein Viertel. [16]
KraftMuskeln und Knochen. Bremst den Muskelschwund, auch im hohen Alter. [14, 17]
AusdauerHerz, Kreislauf und Kraftwerke. Die Fitten haben ein etwa halb so hohes Sterberisiko. [18]
Schematische Darstellung. Fehlt eine Säule, wackelt das Dach.

Ausdauer

Ausdauertraining wie die Runde um den See trainiert vor allem dein Herz-Kreislauf-System. Dein Herz wird kräftiger und pumpt mit jedem Schlag mehr Blut, in deinen Muskeln entstehen neue Kraftwerke, und deine Gefäße bleiben elastisch. Regelmäßiges Ausdauertraining senkt außerdem den Blutdruck, bei Menschen mit Bluthochdruck besonders deutlich [19].

Wie fit dein Herz-Kreislauf-System ist, zeigt die maximale Sauerstoffaufnahme, kurz VO₂max: wie viel Sauerstoff dein Körper unter voller Belastung verwerten kann. Sie sinkt mit dem Alter, und zwar immer schneller. In den 20ern und 30ern verliert man nur wenige Prozent pro Jahrzehnt, in den 70ern mehr als 20 Prozent [20].

Und Fitness zahlt sich aus. Eine Übersicht über 199 Kohortenstudien verglich Menschen mit hoher und niedriger Ausdauerfitness: Die Fitten hatten ein etwa halb so hohes Sterberisiko. Schon ein kleiner Zuwachs zählt: Jede Stufe mehr Fitness, gemessen in MET (1 MET entspricht dem Energieverbrauch in Ruhe), ging mit 11 bis 17 Prozent weniger Risiko einher [18].

Am wirksamsten ist eine Mischung: viel ruhiges Grundlagentraining, bei dem du dich noch unterhalten kannst, und ab und zu Intervalle, die dich richtig fordern. Beides steigert die VO₂max deutlich, Intervalle noch etwas stärker [21].

Kraft

Mit dem Alter schwinden die Muskeln. Diesen Muskelschwund, die Sarkopenie, haben weltweit 10 bis 16 Prozent der älteren Menschen [22], unter den über 80-Jährigen in einer US-Studie sogar mehr als die Hälfte [23]. Krafttraining hält dagegen. Es stärkt auch die Knochen, deren Dichte im Alter abnimmt [14], und macht weniger gebrechlich [17]. Das Tolle: Krafttraining wirkt auch im hohen Alter noch. Sehr alte Pflegeheimbewohner, im Schnitt 87 Jahre, verdoppelten in zehn Wochen ihre Beinkraft [17].

Gleichgewicht und Beweglichkeit

Auch das Gleichgewicht baut im Alter ab, ab Mitte 50 deutlich: Der Anteil der Menschen, die nicht zehn Sekunden auf einem Bein stehen können, verdoppelt sich von da an etwa alle fünf Jahre [24]. Die gute Nachricht: Gezieltes Training senkt die Zahl der Stürze um rund ein Viertel [16].

Dazu gehört die Beweglichkeit. Mit den Jahren werden Sehnen, Bänder und Gelenke steifer, und der Bewegungsspielraum schrumpft: Schuhe binden, über die Schulter schauen, sich nach etwas bücken fällt schwerer. Wer regelmäßig dehnt, etwa mit Yoga oder einfachen Übungen nach dem Training, kann seine Beweglichkeit auch im Alter verbessern. Ob das allein den Alltag erleichtert oder vor Stürzen schützt, ist dagegen nicht eindeutig belegt [25]. Am meisten bringt deshalb die Kombination mit Gleichgewichts- und Krafttraining.

1.4 · WIE VIEL IST GESUND

Wie viel ist gesund

Für den Einstieg gilt: Alles über null ist der richtige Weg. Jede Minute zählt, eine Mindestdauer pro Einheit gibt es nicht [1].

Die Empfehlung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen pro Woche 150 bis 300 Minuten moderate oder 75 bis 150 Minuten intensive Ausdauerbewegung. Dazu kommen an mindestens zwei Tagen Kraftübungen für alle großen Muskelgruppen [1]. Beim Krafttraining lag die größte Risikosenkung schon bei 30 bis 60 Minuten pro Woche [26].

Die Empfehlung pro Woche
Moderat150300Intensiv75150075150225300375450MINUTEN PRO WOCHEKraftMoDiMiDoFrSaSo
Moderat oder intensiv, beides lässt sich mischen. Alles über null zählt schon. Dazu kommen mindestens zwei Krafttage, welche Tage, ist egal. Quelle: [1] WHO 2020.

Schritte im Alltag

Auch Schritte zählen. Der Nutzen flacht je nach Alter ab: unter 60 Jahren bei etwa 8.000 bis 10.000 Schritten am Tag, ab 60 schon bei 6.000 bis 8.000 [27].

Kann es zu viel werden?

Die Dosis macht das Gift. Für normale Sportler ist viel Training in der Regel nicht schädlich: Selbst beim Zehnfachen der Empfehlung lag das Sterberisiko noch deutlich unter dem von Inaktiven [4]. Bei Extremsportlern, die über Jahre sehr große Umfänge trainieren, häufen sich dagegen Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern [28] und Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen [29]. Auf Dauer kann sich das Blatt also wenden, ein höheres Sterberisiko ist bisher aber nicht belegt.

1.5 · DREI PROFILE: WER BRAUCHT WAS?

Drei Profile: Wer braucht was?

20–35 JahreJung
ZielReserve aufbauen: Knochen, Muskeln, Ausdauer
Warum jetzt

Bis etwa 30 baut dein Körper Knochenmasse auf, danach geht es langsam bergab [30]. Was du jetzt an Knochen, Muskeln und Ausdauer aufbaust, ist die Reserve, von der du später zehrst.

Schwerpunkt

Kraft mit ordentlichen Gewichten, Sprünge und intensive Ausdauer. Jetzt verträgt dein Körper hohe Reize am besten.

Beispielwoche
  • 2× Krafttraining für den ganzen Körper
  • 1× Intervalle (etwa 4 × 4 Minuten hart, dazwischen locker)
  • 1–2× lockerer Lauf oder Rad
  • Gern ein Ballsport mit Sprüngen
35–60 JahreMitte
ZielErhalten trotz Job und Zeitmangel
Warum jetzt

Ohne Training schwinden Muskeln und Ausdauer nach und nach, ab Mitte 50 auch das Gleichgewicht [24]. Bei Frauen beschleunigen die Wechseljahre den Knochenabbau. Wer jetzt dranbleibt, startet mit viel Vorsprung ins Alter.

Schwerpunkt

Kraft halten, Ausdauer effizient trainieren und langes Sitzen unterbrechen. Ab 50 kommt Gleichgewicht dazu.

Beispielwoche
  • 2× Kraft à 30–45 Minuten
  • 1× Intervalle à 20 Minuten
  • An den übrigen Tagen 30 Minuten zügig gehen oder mit dem Rad zur Arbeit
  • Ab 50: täglich auf einem Bein Zähne putzen
65+ JahreÄlter
ZielSelbstständig bleiben, Stürze vermeiden
Warum jetzt

Kraft und Gleichgewicht entscheiden, ob du allein Treppen steigst und sicher auf den Beinen bleibst. Die gute Nachricht: Training wirkt bis ins hohe Alter [17] und senkt die Zahl der Stürze [16].

Schwerpunkt

Die WHO empfiehlt ab 65 an mindestens drei Tagen pro Woche vielseitiges Training mit Gleichgewicht und Kraft [1].

Beispielwoche
  • 2× Kraft (Aufstehen vom Stuhl, Treppen, leichte Gewichte)
  • 3× 15 Minuten Gleichgewicht (Einbeinstand, Tai-Chi oder Tanzen)
  • Täglich 30 Minuten spazieren

1.6 · ANFANGEN UND DRANBLEIBEN

Anfangen und dranbleiben

Am Ende zählt vor allem eins: anfangen. Und dann dranbleiben.

Der wichtigste Schritt

Der größte Gewinn liegt im ersten Schritt: raus aus der Inaktivität, rein in die Bewegung. Wie die Kurve in Abschnitt 1.1 zeigt, bringt kein späterer Schritt so viel wie dieser [4]. Umgekehrt hat Nichtstun einen Preis, und der kann hoch sein. In einer Auswertung von sechs großen Kohorten mit über 650.000 Menschen lebten diejenigen, die die empfohlenen 150 Minuten pro Woche erreichten, im Schnitt rund 3,4 Jahre länger als Menschen, die sich in ihrer Freizeit gar nicht bewegten [31]. Wer sich nicht bewegt, zahlt im schlimmsten Fall mit wertvollen Lebensjahren.

Wer lange inaktiv war oder Vorerkrankungen hat, etwa am Herzen, spricht vor dem Start kurz mit seiner Ärztin oder seinem Arzt.

Aus Motivation wird Gewohnheit

Das Schöne an Bewegung: Die Effekte kommen schnell. Schon nach wenigen Wochen fallen dir Treppen leichter, und die Runde um den See kostet dich weniger Kraft. Das motiviert. Doch Motivation schwankt, und was du dir antrainierst, verlierst du wieder, wenn du aufhörst: Schon nach wenigen Wochen Pause sinkt die Ausdauer spürbar [32].

Darum kommt es darauf an, die Motivation vom Anfang in eine Gewohnheit zu verwandeln. Dabei helfen feste Zeiten, ein fester Ort und Menschen, mit denen du dich verabredest. Geduld gehört dazu: In einer Studie dauerte es im Mittel gut zwei Monate, bis ein neues Verhalten zur Gewohnheit wurde, je nach Person aber sehr unterschiedlich lange [33].

Erholung, Schlaf und Ernährung zählen mit

Erholung und Schlaf gehören immer dazu. Erst in der Pause passt sich dein Körper an den Reiz an und wird stärker [15]. Genauso wichtig ist die Ernährung, denn sie liefert die Bausteine dafür.

Bewegung ist einer von mehreren Kernbereichen der Base, und sie hängen zusammen. Schläfst du schlecht oder isst du schlecht, leidet auch dein Training, und umgekehrt. Gerät einer aus dem Gleichgewicht, wackeln die anderen mit.

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