Schlaf

Schlaf

Schlaf ist wie die Stunden, in denen eine Sterneküche geschlossen hat: Von außen passiert nichts, doch genau dann wird alles für den nächsten Tag vorbereitet.

1.1 · WARUM SCHLAF ZÄHLT

Warum Schlaf zählt

Schlaf hängt eng mit einem gesunden und langen Leben zusammen [1, 2]. Wer zu wenig schläft, spürt das oft schon am nächsten Tag [1].

Das zeigt sich auch in den Zahlen. Eine Auswertung von 153 Langzeitstudien mit über fünf Millionen Menschen fand: Wer kurz schläft, hat ein um etwa 12 Prozent höheres Sterberisiko und erkrankt häufiger an Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Leiden, auch Übergewicht tritt häufiger auf [2]. Solche Studien zeigen Zusammenhänge, keinen Beweis für die Ursache [2]. Die amerikanischen Schlaf-Fachgesellschaften empfehlen Erwachsenen mindestens sieben Stunden pro Nacht [1].

Mehr ist aber nicht automatisch besser. Auch wer sehr lange schläft, hat in Studien ein höheres Sterberisiko, die Kurve hat also die Form eines U [3]. Ob langer Schlaf selbst schadet oder eher ein Warnzeichen für Krankheit ist, ist noch offen [4].

Zu wenig Schlaf ist weit verbreitet: In einer US-Befragung von mehr als 440.000 Erwachsenen gab mehr als ein Drittel an, weniger als sieben Stunden zu schlafen [5]. Doch bevor wir klären, wie viel Schlaf du brauchst, schauen wir uns an, was nachts in deinem Körper passiert.

Schlafdauer und Sterberisiko
empfohlenhöheres Risiko5678910 Stunden
Zu kurz+12 %Höheres Sterberisiko als bei mittlerer Schlafdauer [3].
Mittelfeldam niedrigstenBei mittlerer Schlafdauer liegt das Risiko am tiefsten [3].
Sehr lang+30 %Höheres Sterberisiko [3]. Ob langer Schlaf selbst schadet, ist offen [4].
Die Form der Kurve ist schematisch. Als kurz galten je nach Studie höchstens vier bis unter sieben Stunden, als lang über acht bis mindestens zwölf Stunden [3]. Die Kurve zeigt Zusammenhänge aus Beobachtungsstudien, die Empfehlung von sieben bis neun Stunden stammt von einer Expertenrunde [6]. Deshalb passen beide nicht exakt zusammen. Ob mehr als neun Stunden schaden, ist laut den US-Fachgesellschaften unklar [1].

1.2 · WAS IM SCHLAF PASSIERT

Was im Schlaf passiert

Schlaf ist kein gleichmäßiger Zustand. Jede Nacht durchläuft dein Gehirn mehrmals eine Runde aus Schlafphasen: Einschlafen, Leichtschlaf, Tiefschlaf und REM-Schlaf. Eine Runde dauert etwa 90 Minuten, in einer Nacht sind es vier bis sechs [7]. Die Runden sind aber nicht gleich: Tiefschlaf liegt vor allem in der ersten Nachthälfte, zum Morgen hin wird der REM-Schlaf länger [7, 8]. Wer die Nacht kürzt, verliert deshalb nicht von jeder Phase gleich viel [8]. Das Diagramm zeigt eine typische Nacht. Scrolle weiter, um die Phasen nacheinander kennenzulernen.

Eine Nacht, Phase für Phase
ein Zyklus, etwa 90 MinutenWachREM-SchlafEinschlafenLeichtschlafTiefschlaf02468 hSchematische Nacht eines gesunden Erwachsenen. Die Zeilen sind nach der Aktivität des Gehirns sortiert, nicht nach der Zeit. Die Angaben zu den Phasen sind Richtwerte nach [7]. Die Langzeitstudien zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen.
Einschlafenetwa 5 % der Nacht [7]
Gehirnfährt herunter
Körperlockert sich
Typischwenige Minuten pro Durchgang
Das leistet diese Phase
Ruhe

Muskeln, Atem und Puls kommen zur Ruhe [7].

Übergang

Von hier aus geht es in die anderen Phasen.

Gut zu wissen
Kurz

Diese kurze Phase ist vor allem der Übergang.

Einstieg

Erst danach folgen Tiefschlaf und REM-Schlaf.

Leichtschlafetwa 45 % der Nacht [7]
Gehirnwird ruhiger
Körperkühlt etwas ab
Typischknapp die halbe Nacht
Das leistet diese Phase
Lernen

Sichert vermutlich Gelerntes [9].

Anteil

Mit knapp der Hälfte ist sie die längste Phase der Nacht [7].

Gut zu wissen
Dauer

In der ersten Runde dauert diese Phase rund 25 Minuten, danach wird sie länger [7].

Kennzeichen

Typisch sind kurze Aktivitätsschübe im Gehirn, die Schlafspindeln [7].

Tiefschlafetwa 25 % der Nacht [7]
Gehirnlangsam, gleichmäßig
KörperPuls und Atem sehr ruhig
Typischerste Nachthälfte
Das leistet diese Phase
Gedächtnis

Hilft, Erlebtes dauerhaft zu speichern [9].

Hormone

Hängt eng mit der Ausschüttung von Wachstumshormon zusammen [10].

Ob das Gehirn im Tiefschlaf auch Abfallstoffe loswird, ist umstritten [11, 12].

Für ein langes, gesundes Leben
Stoffwechsel

Wurde der Tiefschlaf in einem kleinen Versuch drei Nächte lang gezielt gestört, kam der Körper schlechter mit Zucker im Blut zurecht [13].

Demenz

Schwand er ab 60 schneller, trat später häufiger Demenz auf [14].

REM-Schlafetwa 25 % der Nacht [7]
REM steht für schnelle Augenbewegungen
Gehirnsehr aktiv
KörperMuskeln erschlafft
Typischlebhafte Träume
Das leistet diese Phase
Erinnerung

Festigt vermutlich Erinnerungen [9].

Morgen

Nimmt zum Morgen hin zu [8]. Wer die Nacht am Morgen kürzt, verliert vor allem sie [8].

Für ein langes, gesundes Leben
Lebensdauer

Bei weniger REM-Schlaf war das Sterberisiko in zwei Gruppen mittelalter und älterer Menschen höher [15].

Offen

Ob er selbst die Ursache ist, ist noch unklar.

1.3 · WAS GUTEN SCHLAF AUSMACHT

Was guten Schlaf ausmacht

Drei Dinge sind besonders wichtig: Regelmäßigkeit, Dauer und Qualität. Beginnen wir mit der Regelmäßigkeit. Jeden Tag exakt zur selben Zeit einzuschlafen und aufzustehen, ist im echten Leben fast unmöglich. Das muss es auch nicht sein: Einzelne Abweichungen sind aus unserer Sicht kein Problem, solange ein Rhythmus erkennbar bleibt. Wie wichtig dieser Rhythmus ist, zeigt eine Studie mit rund 60.000 Menschen: Wer regelmäßiger schlief, hatte ein geringeres Sterberisiko, und die Regelmäßigkeit sagte es sogar besser voraus als die Schlafdauer [16]. Such dir deshalb eine Zeit, die du an den meisten Tagen schaffst, und versuche, dabei zu bleiben.

Auch die Dauer ist ein Kernelement. Wer dauerhaft zu wenig schläft, hat ein höheres Risiko für viele Krankheiten [2]. Doch mehr heißt nicht besser: Wer dauerhaft sehr lange schläft, erkrankt in Studien häufiger an Diabetes und Herz-Kreislauf-Leiden [4]. Ob der lange Schlaf selbst die Ursache ist, ist allerdings offen [4]. Das gesunde Mittelmaß liegt für die meisten Erwachsenen bei sieben bis neun Stunden [6].

Bleibt die Qualität. Selbst wer all das einhält, schläft nicht automatisch gut. Vielleicht liegst du wach im Bett und findest keine Ruhe, oder es fällt dir schwer durchzuschlafen. Denn es gibt noch viele weitere Faktoren, die deinen Schlaf stören können. Zerstückelter Schlaf ging bei 737 älteren Menschen, gemessen mit einem Bewegungssensor am Handgelenk, mit einem höheren Alzheimer-Risiko einher [17].

Drei Merkmale guten Schlafs
RegelmäßigkeitÄhnliche Zeiten an den meisten Tagen [16].
DauerSieben bis neun Stunden für Erwachsene bis 64, ab 65 sieben bis acht [6]. Mehr ist nicht automatisch besser [4].
QualitätZügig einschlafen und nachts wenig wach liegen [18].
Die wichtigsten Kennzahlen
Einschlafzeitbis 30 MinutenSo lange dauert es vom Hinlegen bis zum Schlaf [18].
Aufwachenmöglichst seltenLängere Wachphasen in der Nacht zählen zu den Zeichen für die Schlafqualität [18].
Wachzeitbis 20 MinutenSo lange liegst du nach dem Einschlafen insgesamt wach [18].
Schlafeffizienzab 85 %Der Anteil der Zeit im Bett, in dem du wirklich schläfst [18].
Ruhepulsdein eigener WertHerzschläge pro Minute in Ruhe. Nach Alkohol kommt das Herz nachts schlechter zur Ruhe [19].
HRVdein eigener WertWie stark der Abstand zwischen Herzschlägen schwankt. Hängt unter anderem vom Alter ab [20].
Einschlafzeit, Wachzeit und Schlafeffizienz sind Richtwerte aus einer Expertenempfehlung für gesunde Menschen [18]. Für den Anteil von Tiefschlaf und REM-Schlaf gibt es keine vergleichbare Einigkeit [18]. Die HRV hängt stark von Alter und Messung ab, vergleiche sie deshalb nur mit deinen eigenen Werten [20]. Schlaftracker erkennen Wachzeiten oft schlecht, vor allem in unruhigen Nächten [21].

1.4 · WAS DEN SCHLAF STÖRT

Was den Schlaf stört

Selbst wer regelmäßig und lange genug schläft, kann seinen Schlaf durch vieles andere stören. Eines davon ist Koffein. Es wirkt lange nach: In einer kleinen Studie mit zwölf Menschen störten 400 Milligramm Koffein, je nach Stärke zwei bis vier Tassen Kaffee, den Schlaf selbst dann noch deutlich, wenn sie sechs Stunden vor dem Zubettgehen genommen wurden [22]. Eine spätere Auswertung von 24 Studien kam auf längere Abstände: rund neun Stunden bei einem Kaffee, rund 13 Stunden bei einem Pre-Workout-Booster [23]. Trink deinen letzten Kaffee deshalb am besten am frühen Nachmittag [23].

Auch schweres Essen spät am Abend kann stören. In einer kleinen Studie hing Essen nah an der Schlafenszeit mit schlechterem Schlaf zusammen [24]. Eine feste Grenze ist nicht belegt, als Faustregel kannst du schwere Mahlzeiten in den vier Stunden vor dem Schlafen meiden.

Ähnlich ist es mit Alkohol. Er lässt dich zwar schneller einschlafen, macht die zweite Nachthälfte aber unruhiger und kürzt ab mittleren Mengen den REM-Schlaf [25]. Auch dein Herz kommt nach Alkohol im Schlaf schlechter zur Ruhe, schon bei kleinen Mengen [19]. Nikotin kann ebenfalls das Einschlafen verzögern und den Schlaf zerstückeln [26].

Auch Bildschirme und Handys können den Schlaf stören. Leuchtende Bildschirme können am Abend das Hormon Melatonin bremsen, vermutlich wegen ihres hohen Blauanteils. In einem Laborversuch lasen zwölf Menschen vor dem Schlafen vier Stunden auf einem iPad. Danach schliefen sie rund zehn Minuten später ein als mit einem gedruckten Buch [27]. Dazu kommt die Ablenkung. Wer noch im Bett am Handy hängt, schläft laut einer Befragung schlechter [28]. Dimme deshalb am Abend das Licht und leg das Handy rechtzeitig weg [27, 28].

Hilfsmittel wie Melatonin, Magnesium oder Schlaftracker bekommen einen eigenen Artikel. Schläfst du über Wochen schlecht, schnarchst du stark oder bist du tagsüber ständig müde, lass das ärztlich abklären.

Der Abend vor dem Schlaf
13 Uhr15 Uhr17 Uhr19 Uhr21 Uhr23 Uhr: Schlafen
Koffein
Kaffee ab etwa neun Stunden vorher meiden, Booster deutlich früher [22, 23]
Schweres Essen
Eigene Faustregel: ab vier Stunden vorher meiden
Alkohol
Keine feste Grenze, schon kleine Mengen wirken [19, 25]
Nikotin
Keine feste Grenze, kann das Einschlafen verzögern [26]
Bildschirm, Handy
Keine feste Grenze: abends Licht dimmen, Handy weglegen [27, 28]
Beispiel für eine Schlafenszeit um 23 Uhr. Gehst du früher oder später schlafen, verschieben sich die Zeiten mit.

1.5 · DIE INNERE UHR

Die innere Uhr: Der Takt deines Schlafs

Du hast eine innere Uhr. Sie taktet deinen Schlaf, deine Hormone, deine Körpertemperatur und vieles mehr [29]. Ihr Zyklus dauert in der Regel etwa 24 Stunden [30]. Das Diagramm zeigt, wie dein Körper über den Tag arbeitet und was vor dem Schlafengehen in ihm passiert.

Ein Tag der inneren Uhr
Schlafwachmüde7 Uhr11 Uhr15 Uhr19 Uhr23 Uhr3 Uhr7 Uhr123456
Schematischer Verlauf für jemanden, der von 23 bis 7 Uhr schläft. Bei dir kann alles früher oder später liegen, und nicht jeder spürt das Nachmittagsloch gleich stark.

1.6 · SCHLAF IM LAUFE DES LEBENS

Schlaf im Laufe des Lebens

Schlaf verändert sich im Laufe des Lebens [36]. Was mit 20 normal ist, muss es mit 70 nicht mehr sein, und umgekehrt. Nicht jede Veränderung ist deshalb ein Warnzeichen.

Drei Profile
JungJugend und frühes ErwachsenseinIn der Jugend läuft die innere Uhr oft spät [37].Die Schlafdauer sinkt in diesem Alter vor allem an Schultagen [36].
MitteBerufs- und FamilienjahreStress und Sorgen um den nächsten Tag können den Schlaf stören [38].In den Wechseljahren haben viele Frauen Schlafprobleme [39].
ÄlterMit den JahrenMit dem Alter nehmen Tiefschlaf und Schlafdauer ab, nachts bist du länger wach [36].Das zeigt sich auch bei gesunden Menschen [36].

1.7 · NACH DEM AUFWACHEN

Nach dem Aufwachen

Am besten belegt ist das Tageslicht am Morgen: Es hilft deiner inneren Uhr, abends zur richtigen Zeit müde zu werden [40]. Die anderen Punkte wirken unterschiedlich stark, manche gar nicht auf den Schlaf.

Die erste Stunde des Tages
SonnenlichtTageslicht stellt deine innere Uhr jeden Tag neu [40]. Am einfachsten geht das direkt nach dem Aufstehen.
AufstehzeitSteh möglichst jeden Tag zu einer ähnlichen Zeit auf. Regelmäßiger Schlaf hing in einer großen Studie mit einem geringeren Sterberisiko zusammen [16].
BewegungRegelmäßige Bewegung verbessert den Schlaf [41]. Wie stark, hängt auch von der Tageszeit ab [41].
Wasser trinkenDu hast die ganze Nacht nichts getrunken. Ein Glas Wasser ist ein einfacher Start. Einen Beleg für einen Effekt auf den Schlaf haben wir nicht gefunden.
FrühstückIn einer kleinen Studie half es gegen Hunger, am Schlaf änderte sich aber wenig [42].
KaffeeMorgens hast du genug Abstand zum Schlaf. Zum Problem wird Koffein erst später am Tag [22]. Das gilt für normalen Kaffee, Booster brauchen mehr Abstand [23].

1.8 · ZUSAMMENSPIEL MIT DEN ANDEREN KERNBEREICHEN

Zusammenspiel mit den anderen Kernbereichen

Schlaf steht nicht für sich allein. Er hängt eng mit den anderen Kernbereichen zusammen, und das in beide Richtungen.

Bewegung: Wer sich regelmäßig bewegt, schläft im Schnitt besser [41]. Umgekehrt kann Schlafmangel die Leistung im Sport drücken [43].

Ernährung: Schlafmangel macht hungriger. In Versuchen aßen Menschen nach verkürztem Schlaf im Schnitt rund 250 Kilokalorien mehr pro Tag [44]. Ob die Hormone Leptin und Ghrelin dahinterstecken, ist offen: Ein kleiner Versuch mit zwölf jungen Männern sprach dafür [45], eine größere Auswertung fand dafür keine starken Belege [44].

Stress: Anspannung und Sorgen um den nächsten Tag gehen oft mit kürzerem und unruhigerem Schlaf einher [38]. Und wer zu wenig geschlafen hat, reagiert schon auf kleine Belastungen gestresster [46]. So kann ein Kreislauf entstehen [38].

Gerät ein Bereich aus dem Gleichgewicht, ziehen die anderen oft mit. Das gilt aber auch umgekehrt: Wer an einer Stelle ansetzt, kann damit auch den anderen helfen. Mehr zu Soziales, Schadstoffen und Prävention findest du in den jeweiligen Base-Artikeln.

Schlaf im Netz der Kernbereiche
SchlafSozialesErnährungPräventionStressSchadstoffeBewegung
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